Fahrlässige Tötung

Häufig und zu Unrecht wird seitens der Angehörigen eines verstorbenen Patienten der Vorwurf der fahrlässigen Tötung gegen den behandelnden Arzt erhoben; etwa wegen vermuteter Behandlungsfehler oder Überlassung bestimmter Medikamente. Zumeist dürfte dies der Vorwurf der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen sein – etwa durch die Nichtvornahme möglicher Therapiemöglichkeiten. Indes lässt sich dieser Vorwurf zumeist durch einen medizinrechtlich wie strafrechtlich fundierten Verteidigerschriftsatz im Ermittlungsverfahren abwenden und eine Einstellung des Verfahrens nach § 170 Abs. 2 StPO erreichen. Denn eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung würde voraussetzen, dass Sie durch Ihr Verhalten – Tun oder Unterlassen- zurechenbar kausal für den Tod des Patienten sind.

 

Fahrlässige Tötung durch Unterlassen

 

Die Strafbarkeit wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen setzt voraus, dass Ihnen eine Verpflichtung zur Abwendung des Todes bestand; Sie mithin eine Garantenstellung gegenüber dem Patienten etwa durch die Übernahme der Behandlung des Patienten inne hatten, Ihren Aufgaben innerhalb Ihres Tätigkeitsbereichs nachzukommen und den Patienten vor solchen Schäden zu bewahren, deren Vermeidung innerhalb Ihres konkreten Herrschaftsbereichs möglich ist. Dabei gilt eine pflichtwidrige Unterlassung als kausal, wenn der Tod bei pflichtgemäßem Handeln – also bei Hinzudenken des gebotenen Verhaltens – verhindert worden wäre. Auch die Beschleunigung des Todeseintritts ist eine Verursachung des Erfolgs.

 

Fahrlässigkeit

 

Eine fahrlässige Verursachung des Todes des Patienten erfordert, dass Ihnen diese objektiv zurechenbar ist; Ihr Verhalten also pflichtwidrig war, wobei diese Pflichtwidrigkeit zum Tod des Patienten führte. Wäre indes der Tod des Patienten auch bei pflichtkonformen Verhalten, sog, rechtmäßigem Alternativverhalten, eingetreten, scheidet eine Zurechenbarkeit und damit eine Strafbarkeit aus.

Denkbar ist dies durch Sorgfaltsverstöße bei der Behandlung und Untersuchung des Patienten wie Therapiefehler einschließlich Fehler in der therapeutischen Aufklärung, Diagnosefehler (Befunderhebungsfehler; fehlerhafte Interpretation des Befundes, Unterlassen von Kontrollbefunden mit der Folge des Nicht-Einleitens entsprechend lebensrettender Maßnahmen), Aufklärungsfehler, Organisationsfehler oder das sog. Übernahmeverschulden, mithin Übernahme eines Patienten aus einem anderen Fachgebiet. Indes vorausgesetzt, der Todeseintritt war Ihnen als nicht außerhalb jeder Lebenserfahrung vorhersehbar sowie vermeidbar. Der anzuwendende Sorgfaltspflichtmaßstab bestimmt sich danach, was von einem besonnenen und gewissenhaften Arzt in der konkreten Situation erwartet wird; mithin der Facharztstandard des jeweiligen Fachgebiets gem. Sachverständigengutachten. Weiter würde die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung die Verletzung einer subjektiven Sorgfaltspflichtverletzung voraussetzen; mithin konkret festgestellt werden, dass Sie in der konkreten Situation auch persönlich in der Lage waren, den Tod des Patienten vorherzusehen und zu vermeiden und Ihnen dies auch zumutbar gewesen wäre.