häufige Missverständnisse

Pflichtverteidigung – häufige Missverständnisse

Pflichtverteidigung ist nicht automatisch zweitklassige Verteidigung!

 

Eine Pflichtverteidigung ist nicht automatisch zweitklassige Verteidigung! Jedenfalls dann nicht, wenn der Strafverteidiger unabhängig arbeitet und der Mandant ihn selbst erwählt hat!

 

Daher: Entscheiden SIE bei der Auswahl des Pflichtverteidigers!

 

Sie selbst haben die Möglichkeit, über die Wahl des „Pflichtverteidigers“ zu entscheiden! Denn liegt ein Fall für eine Pflichtverteidigung, d.h. ein Fall der notwendigen Verteidigung vor, erhalten Sie ein Schreiben des Gerichts mit der Aufforderung, selbst einen Verteidiger zu benennen.

 

Wenden Sie sich sodann mit diesem Schreiben möglichst umgehend an einen „ganz normalen“ und spezialisierten Strafverteidiger, idealerweise Fachanwalt für Strafrecht, – und damit natürlich gerne auch an mich. In diesem Fall kann ich sodann für Sie dem Gericht gegenüber mitteilen, dass ich Sie verteidige und meine Beiordnung als Ihr notwendiger Verteidiger beantragen.

 

Gefahr: das Gericht sucht selbst einen Verteidiger für Sie aus

 

Sofern Sie nicht umgehend einen Anwalt als Verteidiger bestimmen, ordnet Ihnen das Gericht ohne Ihr Zutun einen Verteidiger als sog. Pflichtverteidiger bei.

Diese Auswahl des Verteidigers durch den Richter könnte sodann in Einzelfällen problematisch werden, denn leider könnte es auch vereinzelt Richter geben, die sodann einen Verteidiger auswählen, der ihnen „wenig Arbeit“ macht, indem er schlicht nicht wirklich für Ihre Rechte kämpft.

 

Häufig besteht gerade aufgrund derartig „gerichtshöriger“ Verteidiger über den Pflichtverteidiger als solchen das Missverständnis, dass dieser in Wirklichkeit stets nur einseitig auf Seiten der Ermittlungsbehörden sowie Gerichte stehe, da diese ihn einsetzen und bezahlen, so dass er sich nicht wirklich für den Beschuldigten einsetze. Der Pflichtverteidiger, so hört man häufig, müsse ja dem Gericht, nicht dem Beschuldigten zu Gefallen sein, da er finanziell von der Gunst des beiordnenden Richters beim jeweiligen Gericht abhängig sei.

 

Tatsächlich besteht diese Gefahr sodann ja auch ganz real, wenn Sie nicht selbst rechtzeitig aktiv werden.

 

Sie können ihr indes entgegenwirken, indem Sie rechtzeitig einen Anwalt Ihres Vertrauens einschalten, der sodann als Ihr „Wahl-Pflichtverteidiger“ für Sie arbeitet. Dieser kann dann selbst bei Gericht beantragen, als Pflichtverteidiger für Sie beigeordnet zu werden, so dass also tatsächlich der Anwalt Ihrer Wahl und Ihres Vertrauens sich auch als Ihr Pflichtverteidiger für Sie einsetzen kann.

Wenden Sie sich hingegen umgehend an einen Anwalt Ihrer Wahl, kann sich Ihnen dieser, wenn er dazu bereit ist, als Ihr –selbst gewählter- Pflichtverteidiger beiordnen lassen.

Pflichtverteidigung ist kostenlos bzw. zahlt der Staat?

 

Tatsächlich bedeutet Pflichtverteidigung auch, dass der Staat zunächst für die Anwaltskosten aufkommt. Und tatsächlich liegen die Gebühren, die ein Anwalt als Pflichtverteidiger vom Staat erhält, unter den „normalen“ Gebühren des RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz).

Zugleich ist „Pflichtverteidigung“ kein Geschenk des Staates! Zudem kommt es bei der Pflichtverteidigung, anders als bei der Prozesskostenhilfe im Zivilrecht, nicht auf Ihre Vermögensverhältnisse sowie Ihr Einkommen an. Vielmehr tritt der Staat mit den Verteidigerkosten lediglich für Sie in Vorleistung in denjenigen Fällen, in denen er eine notwendige Verteidigung im Sinne des § 140 StPO annimmt.