Macht der Öffentlichkeit im Sexualstrafrecht nutzen

Nach Falschbeschuldigung: Wie können meine Mandanten die Macht der Öffentlichkeit für sich nutzen?

 

Meine Mandanten sind hauptsächlich unbescholtene Bürger, die sich wegen einer falschen Beschuldigung im Sexualstrafrecht mit öffentlicher Ausgrenzung, Hetzjagden, Rufmordkampagnen und drohendem Arbeitsplatzverlust konfrontiert sehen.

  • Mit meinen Mandanten erörtere ich bereits an zweiter Stelle im Erstgespräch die dominante Rolle der Öffentlichkeit.

Selbst, wenn der Mandant nicht täglich in der Öffentlichkeit steht, gilt es, durch diese Erkenntnisse die Macht der Öffentlichkeit zu nutzen:

Wenn Sex vor Gericht stattfindet

Sobald Sex vor Gericht stattfindet, fühlen sich tausende objektiv unbeteiligter Bürger berufen, über ihr eigenes Innenleben, das ansonsten glücklicherweise anderen verborgen bleibt, öffentlich zu berichten.
Sie tun das durch ungebremst vorgetragene Meinungen, Beschimpfungen und durch dumpf klingende Ratschläge („Knast ist zu schade; gleich Kopf ab“).

 

  • Die Bevölkerung ist begeistert vom Folgen- und Ursachenreichtum sowie von der (leider nicht nur an einschlägigen Stammtischen zu beobachtenden) wohltuenden Rudelbildung bei der öffentlichen Rezeption dieser Inszenierung.
  • Diese Neigung zur Rudelbildung versuche ich, sehr früh im Mandat zu nutzen. Oft müssen wir dazu die Stimmung in der Bevölkerung (zu der der Richter übrigens gehört!) zu drehen. Dazu engagiere ich in Abstimmung mit meinen Mandanten PR-Profis.

Psychologie der Öffentlichkeit:

Nie ist die Stimmung in der Bevölkerung so sehr „für“ oder „gegen“ einen mutmaßlichen Täter wie bei Sex vor Gericht. „Kopf ab“ (gemeint ist der des Angeklagten) oder „Die müsste man doch nur mal ordentlich…“ (gemeint ist das vermeintliche Ende des angeblich unterversorgten erotischen Lebens einer Anklägerin) sind übliche Publikumskommentare vor Gericht. In der Knasthierarchie zeigen Mitgefangene, wie viel Ideologie noch immer übrig ist in ihren Hirnen, wenn ein Sexualstraftäter „unter ihnen“ weilt.
Psychoanalytisch gesehen erfüllte dieser nämlich eigene Macht-Fantasien, und die dürfen ja nicht sein, also: Plattmachen! Beteiligt also – und damit zu Kommentaren berufen – fühlt sich jedenfalls fast jeder, aus guten Gründen:

Sex vor Gericht ist eine coole Projektionsfläche!

Stramme Meinungsinhaber kommen endlich zu Wort. Zurückhaltung ist eben schwer, wenn die innere Haltung fehlt! Es geht nämlich um eigene Integrität, die eigene Sicht auf die Welt und den Versuch, diese um jeden Preis – am besten gegenüber einer Masse von Unbekannten – durchzusetzen.
Der „Was-ich-schon-immer-mal-rausposaunen-wollte“-Typus von Prozessbesucher oder Bildzeitungsleser ist heiß auf Futter, das bei ihm zuhause zu kurz kommt. Es geht immerhin um

 

  • Passion (Wehe, wenn die zu Hause fehlt!)
  • Meinungsterror (Wehe, wenn einem sonst keiner mehr zuhört!)
  • Zugehörigkeit (Wehe, wenn einen keine eigenen Themen mehr mit anderen verbinden!)
  • Sehnsucht (Wehe, wenn alle Sehnsucht nach Geltung, Prickeln und Aufregung nur noch aus Großbuchstaben der Morgenzeitung kommt!).

 

Meine Mandanten lernen, diese Stimmungen in der Bevölkerung für sich zu nutzen, notfalls zu drehen. Wenn sie in der Öffentlichkeit sehen, stelle ich ihnen PR-Profis an die Seite.

Jeder kann endlich ungebremst Meinungen streuen

Die Fälle Kachelmann (Angeklagter einer Vergewaltigung) und Lohfink (Anklägerin einer Vergewaltigung) spalten lange nach den Urteilen die Republik. Gerichte sagen: In beiden Fällen gab es gar keine Vergewaltigung.
Die heutige Ehefrau des Ersten fällt auf durch öffentlichen Applaus zur Verurteilung der Zweiten. Sie macht sich – honi soit qui mal y pense – öffentlich zur Fürsprecherin der „Glaubwürdigkeit echter Vergewaltigungsopfer“ (Twitter, 22.8.2016).
Sie heiratete dennoch einen Mann, dessen Glaubwürdigkeit durch ein ausgeklügeltes System eines sechsfachen Doppellebens mit einseitig grenzziehenden Lügen und allseits grenzerweiternden Sexspielchen tendenziell eher gelitten haben könnte.
„Was denn nun?“ empört sich da die Bevölkerung unisono. „Will sie nun Glaubwürdigkeit oder eher nicht?“
Selbst wenn es hierauf bislang keine Antwort gab: Die Fragen an sich wollte man doch schon immer mal stellen, oder?

Wer über andere urteilt, berichtet über eigene Defizite

 

Ohne irgendeine Detailkenntnis sondern Teile der Bevölkerung (… sogar Juristen mischen hier gern mit…) gern Urteile ab, lange bevor Ermittlungsbehörden überhaupt ein Verfahren eröffnet haben.

 

  • Urteilsbereitschaft über Verhalten, Persönlichkeit und Entscheidungen anderer Menschen jedoch zeigen, dass der Kommentator seine Welt über jene des (oft völlig unbekannten) Anderen stellt.
  • Diese innere Inszenierung von „Größe“ ist bei jenen Persönlichkeiten dringend notwendig, deren Selbstbild dringend ein „brush-up“ benötigt.

 

Meine Mandanten erfahren, wie wir diese Erkenntnisse in eine Öffentlichkeit-Strategie umsetzen.