Weitere Besonderheiten / JGG

Weitere Besonderheiten im Jugendstrafrecht

 

Das Jugendstrafrecht kennt gegenüber dem Erwachsenenstrafrecht neben den besonderen Rechtsfolgen noch erhebliche weitere Unterschiede insbesondere im Verfahren wie etwa den Ausschluss der Öffentlichkeit für die Hauptverhandlung, Rolle der Jugendgerichtshilfe sowie erhebliche Möglichkeiten der Verfahrenseinstellung.

Allen Besonderheiten ist gemeinsam, dass sie dem besonderen Erziehungscharakter des Jugendstrafrechts, und nicht einem Schuldausgleich, Rechnung tragen:

 

Ausschluss der Öffentlichkeit

Im Unterschied zum gerichtlichen Strafverfahren gegen Erwachsene ist die Hauptverhandlung im Jugendstrafrecht nicht öffentlich; findet also unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

 

Jugendgerichtshilfe

Die Jugendgerichtshilfe hat einen erheblichen Einfluss im Jugendstrfrecht und im Strafverfahren gegen Jugendliche.

So lädt die Jugendgerichtshilfe den Jugendlichen regelmäßig bereits vor der Hauptverhandlung zu einem Gespräch – zumeist in ihren Räumen. Dies, um sich ein Bild von der Persönlichkeitsstruktur der Jugendlichen und seinem Lebensumfeld zu machen. Vorschläge, welche Sanktion gegen den Jugendlichen in seinen Augen zu verhängen ist. Dies insbesondere auf der Grundlage der Lebensumstände und der Persönlichkeit des Jugendlichen, über die er sich im Vorfeld der Hauptverhandlung informiert hat.

 

Einstellungsmöglichkeiten

Während das Erwachsenenstrafrecht nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Einstellung eines Strafverfahrens außerhalb des Ermittlungsverfahrens hat, kennt das Jugendstrafrecht etliche weitere Möglichkeiten, um das das Verfahren durch Einstellung zu beenden; dies sogar dann, wenn ein Verbrechen angeklagt ist.

 

Strafbefehl, Privatklage und Nebenklage im Jugendstrafrecht

Während im Erwachsenenstrafrecht die Verfahrensbeendigung mittels Strafbefehl gerade im Bereich der unteren Kriminalität fast der Regelfall ist, kann gegen einen Jugendlichen ein Strafbefehl nicht erlassen werden.

Auch kennt das Jugendstrafrecht nicht die Möglichkeit der Privatklage gegen einen Jugendlichen. Wird dem Jugendlichen ein nebenklagefähiges Delikt vorgeworfen, sind zudem die Möglichkeiten des Geschädigten zum Anschluss an das Verfahren als Nebenkläger stark eingeschränkt.